Canossa entmythologisiert: Ehrendoktorat für Johannes Fried

16.02.2009

Vorsitzender der Deutschen Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Siehe den ausführlichen Artikel von Oliver Jungen in der Beilage "Geisteswissenschaften" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 21.1.2009: "Geschichtsschreibung unter Eiweißzufuhr Die Ehrenpromotion als Beitrag zur Forschung: Johannes Fried erschüttert in Aachen den Mythos vom Kampf der politisch-theologischen Giganten im Jahre 1077 zu Canossa."

Der darin besprochene Vortrag fußt auf dem Aufsatz von Johannes Fried, Der Pakt von Canossa. Schritte zur Wirklichkeit durch Erinnerungsanalyse, auf den Seiten 133-197 des Sammelbandes:

Die Faszination der Papstgeschichte. Neue Zugänge zum frühen und hohen Mittelalter. Hrsg. v. Wilfried Hartmann u. Klaus Herbers (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, Bd. 28), Köln-Weimar-Wien (Böhlau) 2008, 213 Seiten, Gb. 29,90 € [D]/30,80 €[A]/50,90 Sfr, ISBN-10 3-412-20220-7; ISBN 978-3-412-20220-0

Dieser Band der Regesten-Kommission wurde bei seinem kürzlichen Erscheinen wie folgt beworben: Das Papsttum mit seiner langen Geschichte hat Historiker verschiedener Konfessionen in seinen Bann gezogen. Der einleitende Aufsatz von Harald Zimmermann macht das deutlich. Seinem Ansatz sind auch die weiteren Beiträge des Bandes verpflichtet. Sie betreffen das frühe und hohe Mittelalter und zeigen die Faszination der Papstgeschichte aus verschiedenen Blickwinkeln. Behandelt werden die Haltung, die Hadrian I. zum Krieg Karls des Großen gegen die Muslime einnahm, das Papsttum in seinem problematischen Verhältnis zu Byzanz sowie Fragen des Kirchenrechtes und seiner legitimierenden Funktion für die Päpste. Die Beziehungen zwischen Kaisertum und Papsttum geraten am Beispiel der "ottonischen Italienpolitik" und der Begegnung der Kontrahenten Heinrich IV. und Gregor VII. in Canossa in den Blick. Alle Beiträge berücksichtigen neuere Fragen zur Struktur der Überlieferung und zu Darstellungsabsichten der Historiographie und betreten damit methodisches und interpretatorisches Neuland.
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