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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

Displaying record 441 of 727.

Papst Johannes (VIII.) bestätigt (confirmamus) dem Kloster Saint-Géry (de Cambrai) (coenobium sancti Gaugerici) auf Bitten des Grafen Boso (von Vienne) (Bosoni glorioso comiti) die Präzepte Kaiser Lothars (I.) (Lotharius ... imperator augustus) (MG DD Lo I 349f. n. 189) und Karls (des Kahlen) (Lot-Tessier, Recueil II 508 n. 454) (Carolus olim imperator augustus) sowie unter Aufführung der Besitzungen den gegenwärtigen und zukünftigen Klosterbesitz; der Papst verleiht dem Kloster die Herrschaftsrechte über das Land (iura postestatis suarum mansionum tam de terra quam de domibus), verbietet jede Veränderung des Klosterbesitzes ohne die Zustimmung der Mönche, untersagt die Entfremdung des Besitzes durch Könige oder den Abt zum eigenen Nutzen wie auch die Einforderung von Diensten und Abgaben (neque servitia exactet vel palefridos ... requirat neque villarum exactiones vel mansionaticos exigat ... neque annuas in messibus vel pratis dominicis operationes requirat) und bedroht jegliche Zuwiderhandlung mit dem Anathem.

Originaldatierung:
Scriptum per manum Georgii et scriniarii sanctae Romanae ecclesiae, in mense Septembris, indictione XII, quarto kal. Octobris, per manum Walberti humillimi episcopi sanctae Portuensis ecclesiae, anno Deo propitio pontificatus domni Joannis, summi pontificis et universalis principis in sacratissima sede beati Petri apostoli, sexto, indictione duodecima.
Incipit:
Convenit apostolico moderamini pia religione ...

Archival History/Literature

Orig.: –.

Kop.: 18. Jh., Cambrai Bibl. mun.: Ms. 987 fol. 110r.

Druck: Duvivier, Recherches Hainaut I 318-322.

Reg.: JE 3188.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich III2 90; Stengel, Diplomatik 376 Anm. 376; Hirsch, Untersuchungen 382; Bautier, Origines du royaume de Provence 45 Anm. 11; Boshof, Traditio Romana 42f.; Arnold, Johannes 135; Mériaux, Gallia irradiata 164f.

Commentary

Zur Überlieferung vgl. Ramackers, PUU Niederlande 81. Zur Frage der Echtheit vgl. Hirsch. Das erwähnte Diplom Kaiser Lothars ist nicht erhalten und nur hier erwähnt (vgl. MG DD Lo I 349f. n. 189). Bei dem Privileg Karls des Kahlen handelt es sich ebenfalls um ein Deperditum; die Formulierung imperiale scripto im vorliegenden Text deutet aber darauf hin, daß das Privileg erst nach der Kaiserkrönung an das Kloster ergangen war, vgl. dazu Lot-Tessier, Recueil II 508 n. 454. Das Kloster war Graf Boso möglicherweise von Karl dem Kahlen übertragen worden, der dort seitdem die Funktion eines Laienabtes ausgeübt haben könnte, vgl. Boshof 42; diesbezügliche Quellenbelege fehlen allerdings (vgl. dazu und zu weiteren Übertragungen Bautier 45). Bemerkenswert ist, daß sowohl dem König als auch dem Abt – hier dürfte der Laienabt gemeint sein – die Inanspruchnahme des eigentlich königlichen Klosters durch ein päpstliches Privileg untersagt wird. Daran wird laut Boshof ein Spannungsfeld der Papstreise ins Westfrankenreich ersichtlich. Unklar ist, ob mit dem in Verbindung mit den Ländereien genannten Fulko der spätere Erzbischof von Reims gemeint ist, der Laienabt in zahlreichen Klöstern war, u. a. in Saint-Bertin, Saint-Martin de Tours, Saint-Médard de Soissons und Saint-Vaast d'Arras, vgl. Felten, Laienäbte 41f. Zur Verwendung des LD vgl. Santifaller, LD 96, zu den in der Datierung genannten Personen Santifaller, Elenco 64, 66 und 268f.

Nachträge

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Cite as:

RI I,4,3 n. 441, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ea3c98ef-3895-45d0-aa9b-292888a34ab9
(Accessed on 18.10.2019).