Nürnberger Lebkuchen als Medium der Herrschaftsrepräsentation

24.12.2020

Die Urkunden und Briefe Kaiser Friedrichs III. (1440-1493), die in Arbeitsstellen der Regesta Imperii an der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien durch die Erstellung von Regesten erschlossen werden, bieten aufgrund ihres administrativen Charakters wenig Informationen zu alltagsgeschichtlichen Fragen. Zwar lässt sich mit Hilfe der Regesten herausfinden, wo der Kaiser Weihnachten feierte,1 aber zur Ausgestaltung der Feierlichkeiten, den gepflegten Bräuchen oder den zum Fest gereichten Speisen gibt das in der Kanzlei verfasste Schriftgut keine Hinweise.

Auch der Blick in die Geschichtsschreibung gibt keinen Aufschluss über die Frage, ob am Hof Friedrichs III. zur Weihnachten Lebkuchen verzehrt wurden, doch findet sich in der Nürnberger Chronik Heinrich Deichslers ein Beleg dafür, dass Friedrich III. Lebkuchen durchaus kannte und um ihre Beliebtheit v.a. bei Kindern wusste. Der Herrscher hielt sich vom 13. März bis zum 27. September 1487 in Nürnberg auf und residierte dabei in der Burg. In der Kreuzwoche (der Woche vor Christi Himmelfahrt) führten die Lehrer der deutschsprachigen Schulen ihre Schülerinnen und Schüler zunächst zur Kapelle auf der Burg und anschließend auf den Burghof, wo sie unter den Linden sangen. Der Kaiser hörte den Gesang und ließ Lehrer und Kinder mit einigen Gulden belohnen. Ein Ratsherr forderte von den Lehrerinnen und Lehrern jedoch, das Geld abzugeben.2

Kaiser Friedrich ließ den Nürnberger Rat wissen, dass er sich sehr darüber freuen würde, die Kinder wiederzusehen. Am Sonntag nach Himmelfahrt kamen daher 4000 Schülerinnen und Schüler in den Graben vor der Burg und wurden dort auf Befehl des Herrschers mit Lebkuchen, Fladen, Bier und Wein verköstigt. Dem Nürnberger Chronisten Anton Kreutzer3 zufolge, der als Schüler selbst dabei war, wurden Lebkuchen verteilt, die ein Abbild des Kaisers trugen. Zwar habe es sehr viele Lebkuchen gegeben, aber noch mehr Kinder, sodass nicht jeder etwas abbekam.4

Man kann also sagen, dass es sich bei den Lebkuchen um ein – wenn auch ausgesprochen kurz haltbares – Medium der Herrschaftsrepräsentation Kaiser Friedrichs III. handelte. Das obenstehende Bild des Lebküchners Hans Buel aus dem Hausbuch der Landauerschen Zwölfbrüderstiftung belegt, dass auch andere Herrschaftsträger Lebkuchen nutzten, um ihr Wappen darauf abbilden zu lassen. Der Lebkuchenbäcker Hans Buel lebte zwei Jahre und einen Monat im Haus der Zwölfbrüderstiftung und verstarb dort am 10. August 1518. Vom Lebensalter könnte er daher zu jenen Lebküchnern gehört haben, die 1487 im Auftrag des Kaisers für die Nürnberger Schülerinnen und Schüler buken.

Wir wünschen allen Nutzer*innen und Freund*innen der Regesta Imperii eine friedliche, besinnliche und erholsame Weihnachtszeit sowie ein gutes Jahr 2021.

 

1Zum Itinerar vgl. P.-J. Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440-1493). Hof, Regierung und Politik (Beihefte zu J.F. Böhmer, Regesta Imperii 17), Köln 1997, S. 818-844 und 1347-1389.
2Die Erwähnung von Schülerinnen und Lehrerinnen geht nicht auf die Bemühung zur Verwendung einer gendergerechten Sprache zurück, sondern auf die Formulierungen in der Chronik Heinrich Deichslers (wie Anm. 2), S. 382 f., der ausdrücklich von lerknaben und lermaidlin sowie von lerfrawen spricht.
3Vgl. L. Kurras: Norica: Nürnberger Handschriften der frühen Neuzeit (Die Handschriften des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 3), Wiesbaden 1983, Nr. 4 S. 28, Nr. 7 S. 29f.
4Zitiert nach J. Scheible: Die gute alte Zeit, geschildert in historischen Beiträgen, Stuttgart 1847, S. 568f.

 

Abb.: Handschrift Stadtbibliothek Nürnberg Amb. 279.2°, f. 11v, upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f3/Lebkuechner_Landauer.jpg (Gemeinfrei)